Herzwerker-Projekt - Realschule Bad Königshofen

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Herzwerker-Projekt

Aktivitäten > History > 2014/15
Spielerisch das Interesse an sozialen Berufen wecken
Theaterprojekt an der Realschule Bad Königshofen wird von renommiertem Theaterpädagogen begleitet
Interessantes Projekt: Amrie und Hanns-Karl Zwinscher (links) beim Casting mit den Schülern der Dr.-Karl-Grünewald-Realschule in Bad Königshofen.

Als dritte unterfränkische Realschule zeigt die Dr.-Karl-Grünewald-Realschule in Bad Königshofen am Donnerstag, 23. Oktober, unter dem Titel „Playback-Herzwerker“ ein selbst erarbeitetes Theaterstück, das sich in kreativer und teils auch humorvoller Weise mit Alltagsgeschichten aus sozialen Berufen befasst.
Die acht Darsteller und Darstellerinnen wurden jetzt bei einem „Casting“ aus 77 Schülern und Schülerinnen der 8. und 9. Klassen ausgewählt. Die ehemaligen Pädagogen Amrie und Hanns-Karl Zwinscher aus der Fränkischen Schweiz leiteten das Auswahlverfahren im Auftrag der Agentur „Kunstdünger“. Sie verlangten dabei nicht allzu viel von den Kandidaten. Sie sollten sich mit lauter und deutlicher Stimme vorstellen mit Name, Alter und Wohnort, Einblicke in ihr familiäres Umfeld und ihre Hobbys geben und die Kernfrage aller Bewerbungsgespräche beantworten: „Warum sollen wir gerade Dich nehmen?“ Bei der Auswahl spielte auch soziales Engagement eine Rolle.
„Erstaunlich viele wären geeignet gewesen, einige machten auch wieder einen Rückzieher“, so Hanns-Karl Zwinscher. „Denn wirklich in die engere Wahl gekommen zu sein, bedeutet, an vier Tagen im Oktober von morgens bis weit in den Nachmittag das Stück einzustudieren.“ Die Darsteller hätten an den Tagen zwar keinen Unterricht, dennoch müssten sie den versäumten Stoff nachlernen und die Freizeitaktivitäten fallen auch aus.
Aber dass selbst die intensive Probenzeit wie im Fluge vergehen wird, versprachen die Zwinschers den ausgewählten Schülerinnen und Schülern. Denn einstudiert wird das Stück von dem Theaterpädagogen Jean-François Drozak aus Nürnberg, der begeistern und mitreißen kann. „Wer die Welt in seinen Händen halten will, sollte sich nicht davor scheuen, einen Kopfstand zu machen“, ist sein Leitspruch.
Aufgewachsen in Brasilien, Belgien und Bayern fühlt er sich dort zu Hause, wo es Vielfalt und Bewegung gibt.
Als Vorbereitung für das Theaterstück „Playback-Herzwerker“ wird das Schauspielteam nun Interviews mit Menschen führen, die in sozialen Berufen wie der Altenpflege, der Kindertagesbetreuung, der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe tätig sind und dort tagtäglich um das Wohl ihrer Mitmenschen bemüht sind.
„Es gibt Handwerker. Es gibt Kopfarbeiter. Und es gibt Menschen, die nicht nur mit Hand und Köpfchen arbeiten wollen, sondern noch etwas mehr suchen, denen es Spaß macht, anderen Menschen mehr Lebensqualität und Lebensfreude zu vermitteln, ihnen Perspektiven zu eröffnen, sie zu fördern und zu begleiten und das sind die Herzwerker“, sagt Hanns-Karl Zwinscher. Durch das Theaterprojekt könne das Publikum auch erfahren, wie soziale Berufe fordern, fördern und bereichern, wie vielseitig sie Menschen verbinden – und auch darüber, welche Karrierechancen die sozialen Berufe bieten. „Deshalb entstand das interessante Theaterprojekt auch in Kooperation mit dem Bayerischen Sozialministerium“, so Zwinscher.
Ein Plädoyer für die Herzwerker
Realschüler spielten mit professionellen Regisseur Szenen aus Berufsfeldern vor

Ein Theaterstück als anschauliche Berufsberatung – das konnte man in der Dr.-Karl-Grünewald-Realschule erleben. Gleichzeitig war die vorgestellte Präsentation der Ergebnisse einer Projektwoche ein Plädoyer für die „Herzwerker“, das sind Menschen in sozialen Berufen, die neben Handwerkern und Kopfarbeitern besonders engagiert sind.
Wer einen erfüllenden Beruf ergreifen möchte, indem er Menschen helfen und sie professionell auf ihren Lebenswegen unterstützen kann, ist bei den „Herzwerkern“ genau richtig. Soziale Berufe anschaulich machen, das war das Ziel der Vorstellung, in der sich Interviews mit Szenen aus dem realen Leben vermischten.
Vier Berufsfelder aus der Altenpflege, Jugendhilfe, Kindertages- und Behindertenbetreuung wurden vorgestellt. Die acht Szenen waren mit den Interviewpartnern entstanden und spiegelten typische Alltagserlebnisse wider.
Aber: „Nur sechs von den acht Szenen sind wahr!“ Mit dieser Aussage motivierte der Regisseur die Zuschauer, aufmerksam zu bleiben und versprach, das Rätsel am Ende aufzulösen. Aus den achten und neunten Klassen waren nach einem Casting acht Schüler von Regisseur Jean-Francois Drozak, Gründer der Agentur für Kulturdesign „Kunstdünger“, als Darsteller ausgesucht worden.
Lob vom Landrat
Bevor die Bühne freigegeben wurde, stimmte die Chorklasse (6a) unter der Leitung von Henrike Rottmann auf den Abend ein. Schulleiterin Gabriele Went begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter auch Horst Karch, den Ministerialbeauftragten für die Realschulen, und Bürgermeister Thomas Helbling. Stellvertretender Landrat Josef Demar freute sich, dass sich die Schule des wichtigen Themas angenommen hat. Die Realschule Bad Königshofen sei bekannt für ihre hohe Qualität, dafür sprach er Lob und Dank aus.
Im Kindergarten Merkershausen arbeitet Erzieherin Manuela Weiß, sie wurde von Drozak befragt, der durch das Programm führte. „Dass Kindergärtnerinnen nur herumsitzen und Kaffee trinken, ist ein Gerücht, das mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat“, machte Weiß klar. Auch die zwei Szenen, in denen die sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten der Kinder, ihr Temperament und ihr soziales Verhalten aufgezeigt wurden, dokumentierten, wie wichtig die Erziehungsarbeit ist, denn die meisten Kinder verbringen im Kindergarten viele Stunden ihrer wichtigsten Entwicklungszeit.
Angelika Baum arbeitet als Heilerziehungspflegerin in einer Behinderten-Wohngruppe des Dominikus-Ringeisen-Werks. Wie unerwartet manche Behinderte reagieren, zeigten die Szenen, die eine Geburtstagsüberraschung für einen behinderten Erwachsenen nachspielten, der auf einer kindlichen Entwicklungsstufe verblieben ist. Angelika Baum findet es gut, diesen Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, deshalb sei sie in diese Tätigkeit eingestiegen.
Auch Frank Bärschneider, der in der heilpädagogischen Wohngruppe Rosenthal arbeitet, berichtete aus seinem beruflichen Alltag. Daraus entstanden eine Koch- und eine Fußball-Szene, in der ein Ersatzspieler das entscheidende Tor schießt. Vierte Interviewpartnerin war Rita Kleinhenz, die bei der Caritas-Sozialstation in der ambulanten Pflege tätig ist. Das kann man als Altenpflegerin, Krankenschwester oder -pflegehelferin tun. In einer Szene wurde gezeigt, wie ein inkontinenter Vater von einer Feier ausgeschlossen wird. „Das geht nicht, weil du müffelst“, teilt ihm seine Tochter mit. Da spendet der Besuch der Frau vom Pflegedienst etwas Trost. Auch die Szene „Männerwahn“ zeigte den Alltag, denn Senioren mit beginnender Demenz leben mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart. „Spielen sie manchmal mit?“, fragte der Regisseur, was Kleinhenz bejahte.
Das gelungene Projekt wurde mit viel Beifall bedacht. Gelobt wurde das Konzept des Regisseurs, dem es als ehemaligem „Heimkind“ ein Anliegen war, dass Jugendliche bei ihrer Berufswahl die sozialen Berufe mit einbeziehen. „Herzwerker tun zwar viel Gutes, reden aber selten darüber“, sagt Drozak. Ihm gelang es, das bayerische Sozialministerium von seinem Konzept zu überzeugen und damit die Finanzierung zu sichern.
Laiendarsteller waren: Sebastian Heusinger, Tizian Bauer, Florian Demar, Letizia Riedl, Marleen Röhner, Jessica Harth, Sophia Ebner und Anna Obst.
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